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Wirtschaft Verkehr

„Wer ohne Radschuh sperrt …“

Kleindenkmale: Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr

Historische Wege sind oft zumindest noch in der Landschaft ablesbar und können mit Hilfe von alten Karten nachvollzogen werden: Altwege, Etterwege (Etter = Einfriedung eines Ortes oder eines bestimmten Bezirks), alte Steigen. Hohlwege sind eingetiefte Fahrspuren, die nach und nach durch Regen ausgewaschen worden sind.

Die Ruhebank hat je nach Region in Baden-Württemberg viele Namen: Gruhbank, Gruhe, Grugstatt oder Krugstatt. Es handelt sich um eine hohe steinerne Bank, die zum Abstellen und Aufnehmen von schweren Kopf- oder Rückenlasten ohne fremde Hilfe dient. Oft befindet sich an der Seite eine niedere Sitzbank. Die Bänke aus Stein haben sich erhalten, die Sitzbänke aus Holz sind abgewittert. Die Ruhebänke wurden direkt am Straßenrand aufgestellt, an Stellen, die einen guten Überblick über die zurück- und vorausliegende Wegstrecke bieten. Die meisten Ruhebänke wurden in der Zeit zwischen 1750 und 1850 aufgestellt.

Wegweiser waren in Zeiten ohne Karten und Navigationsgerät unerlässlich. Sie waren aus unterschiedlichen Materialien und in diversen Formen hergestellt: Wegweisersteine, Wegweisertafeln, hölzerne oder gusseiserne Wegweiser. Eine weisende Hand und Pfeile zeigen die Richtung an.

Die Entfernungen oder Distanzen wurden zunächst in Stunden (Weg-, Geh-, Reisestunden) gemessen und angegeben, wieviel Strecke ein Fußgänger oder eine Postkutsche in einer Stunde zurücklegt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts mit der Einführung des Metermaßes, werden die Entfernungen in Kilometern genannt. Die Angaben finden sich auf den Entfernungszeichen, dem Meilenstein, Postmeilenstein, Distanzstein, Stundenstein. Kilometersteine stehen entlang der Verkehrswege, der Flusskilometersein entlang eines Wasserweges.

Begrenzungsstein sind eine Vorform der Leitplanke. Die Steine wurden entlang der Straße gesetzt, um zu verhindern, dass ein Fuhrwerk von der Straße abkam und einen steilen Hang hinunterfuhr oder -stürzte.

Die Radabweiser oder Prellseine sind abgeschrägte massive Steine, die an Hausecken, Toreinfahrten oder engen Gassen angebracht wurden, um das Gebäude vor den anstoßenden Rädern eines Fahrzeugs zu schützen. Sie waren gleichzeitig auch Schutz der Fahrzeuge.

Zum Straßenverkehr gehören auch die historischen Verkehrszeichen, wie zum Beispiel der Radschuhstein und die Radschuhtafel. An stark abschüssigen Strecken wurde zur Vermeidung von Unfällen aufgefordert, dem Wagen eines Fuhrwerks mit Pferde- und Ochsengespann den Radschuh oder auch Hemmschuh anzulegen, um so den Schub des Wagens zu bremsen. Der Radschuh war eine Art metallene Schiene, die mit einer Ketter am Wagen befestigt war und dem Rad untergeschoben wurde.

Alte Verkehrs- und Verbotszeichen haben sich in Stein und Metall erhalten. Verbotstafeln mahnen, z.B. den Radschuh anzulegen oder auf einer Steinstele wird das Überschreiten einer Wiese verboten.

Für die Vermessung des Landes stehen die Trigonometrischen Punkte. Sie sind Beobachtungpunkte eines Dreiecksnetzes.

Ein weiteres Kleindenkmal ist die Höhenmarke, die die Höhe in Metern über dem Meeresspiegel anzeigt. Diese Höhenmarken sind in der Regel an Gebäuden angebracht.

 

Trockenmauern im Weinberg, mit denen steile Rebflächen (und auch andere landwirtschaftliche Nutzflächen an steilen Hängen) terrassiert werden, sind meist in Trockenbauweise gebaut. Eine Bauweise, die besondere Fertigkeiten erfordert, weil kein Mörtel oder Beton die Steine verbindet. Die Mauer muss durch das eigene Gewicht und dem Verbund der Steine dem Druck des Hangs und des Wassers standhalten, die Drainage muss funktionieren. Sie haben viele Vorteile: Die Mauern speichern die Wärme, schützen den Hang vor dem Abrutschen, halten die Erde fest und sind zudem Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Staffeln, Weinbergstaffeln, schaffen den Zugang zur Bewirtschaftung und den Transport der Ernte. Gemauerte Staffeln oder Treppenwege sind auch in Orten als Abkürzung zwischen zwei Straßen zu finden.

In den Mauern, auch in Mauern außerhalb der Weinberganlagen, sind Inschriftsteine vermauert. Meist handelt es sich um Gütersteine, die die Initialen der Besitzer tragen und manchmal auch ornamentiert sind.

In den Weinbergen, auf den Feldern und in den Obstwiesen stehen kleine Häuschen oder Unterstände. Die Aufgaben der Feldschützen oder Wengertschützen waren auf dem Feld oder im Weinberg nach dem Rechten zu schauen, auf Recht und Ordnung dort zu achten, Diebstahl abzuwenden und Tiere zu vertreiben. Zum Schutz dieser Personen vor Wind und Wetter wurden die Feld- und Weinbergschützenunterstände, auch in Form von kleinen Häuschen. Private Unterstände dienten auch zur Lagerung von Geräten und zum Unterstellen bei Unwettern.

Die Viehwaage und kleine historische Gebäude wie das Backhaus oder das Waschhaus in einer Gemeinde sind oft noch erhalten. Obwohl begehbar, werden sie den Kleindenkmalen zugerechnet.

Diverse Gruben, die in der Landschaft zu erkennen sind, zeugen von der früheren Nutzung des Gebietes zur Gewinnung von Bodenschätzen: Bohnerzgruben, Kiesgruben, Mergel- oder Lehmgruben. Die Kalkgrube diente zum Löschen und Aufbewahren von Kalk.

In Stollen wurden Bodenschätze abgebaut und zu Tage befördert. Zu den Kleindenkmalen zählen der Gruben- oder Stolleneingang und das Mundloch. Das Mundloch bezeichnet den Eingang eines Stollens an der Tagesoberfläche (Tagesöffnung).

Wie Gruben sind kleine, historische, aufgelassene Steinbrüche Zeugen für das Wirtschaften in früheren Zeiten.

Der von außen sichtbare Eingang eines Kellers steht für den gesamten Keller. Keller erzählen von der Wirtschaftsgeschichte einer Region: Bierkeller, Eiskeller, Futterkeller als Erdkeller oder als Felsenkeller in den Fels gegraben.

Steinriegel sind oft über lange Zeit entstanden und sind somit ein Zeichen dafür, dass es sich um altes Wirtschaftsland handelt. Es handelt sich um eine Ansammlung von Steinen, die bei der Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Nutzflächen hinderten und aufgelesen werden mussten. Dabei entstanden Lesesteinriegel, Lesesteinwälle oder Lesesteinhaufen. Ein Nebeneffekt ist, dass die Steine tagsüber Wärme speicherten, die sie in der Nacht wieder abgaben und kleine ökologische Schutzräume darstellen.

Zu den Kleindenkmalen zählen auch Relikte von ehemaligen technischen Objekten oder Anlagen, die als Denkmal aufgestellt wurden, wie z.B. eine Lore für den Bergbau, ein Mahl- oder Mühlstein für eine Mühlenanlage stehen.

Relikte von historischen Einzäunungen und Umfriedungen, wie Tore oder Torpfosten zum ehemaligen Garten, Kirch- oder Friedhof, Park, zum Schloss- oder Klosterbereich können zu den Kleindenkmalen gezählt werden.

In den Wäldern sind häufig Rampen aus Stein oder aus Holz zu finden. Sie dienten oder dienen bis heute zur Verladung von Material wie Holz.

In herrschaftlichen Wäldern und Jagdgebieten stößt man auf steinerne Salzlecken, auch Sulzen genannt, die dazu dienten, das Wild mit Mineralsalzen zu versorgen. Dabei handelt es sich um eine meist quadratische Anlage mit Steinumrandung für das mit Stroh und Lehm vermischte Salz.

Selten sind die noch erhaltenen Wolfsgruben, in die die gefürchteten Wölfe gelockt wurden. Mit einem kleinen Tier oder einem Kadaver als Köder wurden die Wölfe in die Fallen gelockt, die unter einer Abdeckung mit Weiden oder Ästen sehr tief waren und glatte Wände hatten, damit der Wolf nicht entkommen konnte.

Wasserbau

Viele Relikte historischer wasserbaulicher Anlagen der Wassermüllerei, Wiesenbewässerung, der Fischzucht und weiterer Nutzungsformen sind in der Landschaft oft nicht so leicht zu identifizieren.

Brunnen sind Kleindenkmale, deren existentielle Bedeutung früher weitaus höher war als heute. Neben der Versorgung mit Trink-, Wasch- oder Heilwasser dienten sie der Entmoosung und Frischhaltung von Lebendfisch, der Kühlung von Milch. Darüber hinaus waren zentral gelegene Brunnen Treffpunkte der örtlichen Kommunikation und dienten auch repräsentatorischen Zwecken.

Alle Typen von Brunnen unterschiedlicher Gestaltung und Funktion, wie auch Brunnenanlagen, und Brunnenhaus mit gemauerten Gängen bis zur Quelle, dienten der Wasserversorgung. Während die Quellfassung natürlich austretendes Wasser fasst, dienen der Tiefbrunnen (mit Zieh- oder Schöpfvorrichtungen), der Pumpbrunnen (oft ein Ventilbrunnen) oder der Laufbrunnen der Förderung und Darreichung des Wassers. Weitere Formen sind Springbrunnen und Schalenbrunnen. Teile von Brunnen sind der funktionale Brunnenstock oder die ausgeschmückte Brunnensäule mit integrierter Steigleitung, das Brunnenrohr, der trog-, becken- oder schalenförmige Auffangbehälter und der Abfluss. Mit Einführung der häuslichen Wasserversorgung und Wasserklosetts verloren die Brunnen einen Teil ihrer Bedeutung.

Brunnenstuben sind ausgemauerte Hangquellkavernen in Abhängen oder ausgemauerte Tiefbrunnenstuben, die Quellwasser auffangen und zur Weiterleitung filtern und geringfügig zwischenspeichern. Zum Schutz vor Verunreinigungen durch land- oder forstwirtschaftliche Nutzungen erhielten Brunnenstuben oft auch einen Überbau aus Holz, Ziegelsteinen, Zement oder Eisenbeton.

Die die neuen Wasserbehälter, Wasserhochbehälter oder Wasserreservoire wurden sehr aufwändig gestaltet, obwohl sie reine Funktionsbauten waren.

Zuweilen existieren noch Relikte früherer Wasserleitung, wie Deicheln oder Teucheln. Eine Deichel oder Teuchel führt fließendes Wasser durch einen kurzen, der Länge nach durchbohrten Baumstamm oder eine Röhre aus Ton.

Ebenso kann eine solche auch eine Querrinne aus Stein, Holz oder Metall sein, die in gefällereichen Fahrwegen gezielt Oberflächenwasser ausleitet. Sie schützt dessen Oberfläche gegen Tiefenerosionen.

Kleine, vor allem land- und forstwirtschaftlich genutzte Brücken, sind noch zahlreich vorhanden. Balkenbrücken oder schlichte Stege führten über Bäche, auch die Gewölbe- oder Bogenbrücken, die kunstvoll und handwerklich erbaut sind, mit Widerlagern und behauenen gefügten Steinen. In vielen Fällen diente auch eine Furt zum Erreichen des anderen Ufers.

Schützenwehre wie der Fallenstock oder die Stellfalle sind Einrichtungen zur Regulierung des Wasserstandes. Sie stauen Wasser an und leiten es in abzweigende Kanäle aus. Zuweilen dienten sie ohne eigene Ausleitungsgräben auch der unmittelbaren Schwallbewässerung. Mancherorts ragen noch steinerne Wehrwangen oder Gerüste aus Holz oder Metall aus der Umgebung heraus.

Kanäle sind künstlich angelegte Fließgewässer. Verlaufen sie obertägig mit einem kastenförmigen Profil ohne eine weitere Abdeckung, so werden sie Freispiegelkanäle genannt. Sie dienen entweder als Mühlkanal der Zu- und Fortleitung des Triebwassers der Mühlen oder der Leitung des Wassers zur Wiesenwässerung. Im Gegensatz zum natürlich fließenden Wasser konnte das Nutzwasser damit berechenbar reguliert werden.

Aquädukte, Kähner oder Kiener sind Trogbrücken, die kanalisiertes Wasser über Vertiefungen des Geländes oder auch anmoorigen Baugrund führen. Zuweilen werden als Aquädukte auch komplette Wasserleitungen bezeichnet. Kähnelbäche oder Kähnerwerke sind kanalisierte Fließgewässer, deren Sohlen und Uferwände mit Holz verkleidet wurden. Sie dienten der Trift von Scheiter- oder Plöcherholz für Meiler, Öfen oder Aus- und Innenbauten.

Teiche, wie die Wette, Hüle oder Hülbe sind überwiegend künstlich überformte Geländemulden, die in Karst- und weiteren quellarmen Gebieten Regen- und Sickerwasser auffangen konnten. Sie dienten als Viehtränke, Wasserreservoir für Trink- und Brauchwasser, vor allem aber als Löschteich im Brandfall.

Bassins sind kleinere Wasserbecken, die entweder ausgemauert oder mit einer Dämmschicht aus Zement versehen wurden. Ihr Bau folgte Bedürfnissen der Fischzucht, des Brandschutzes, des Badens in freier Luft, der Kneipp´schen Wassertherapie für Arme und Beine oder der Ästhetisierung des Orts- oder Landschaftsbildes.